Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

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Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Mi Dez 06, 2017 6:49 pm



Run for your life with me

Straßen # 2. März # Shizuka Nishino & Nobu Hyaku


NobuHyaku
Als Nobu aus dem Fenster ihres Apartments sah, wirkte es ein wenig windig und bewölkt, doch von Regentropfen oder gar einem Schauer war nichts zu sehen. Gut, dachte sie sich und streckte sich kurz, während sie sich im Spiegel an ihrem Kleiderschrank betrachtete. Das türkise Haar der jungen Frau war zerzaust, das T-Shirt, das sie nachts trug, zerknittert und ihr Gesicht wirkte nicht sonderlich frisch, ein bisschen aufgedunsen. Dabei hatte sie eigentlich einen guten Schlaf gehabt und war recht früh ins Bett gegangen. Sie zuckte mit den Schultern, öffnete ihren Kleiderschrank und suchte sich ihre Sportkleidung heraus.

Laufen am frühen Morgen gab ihr das, was sie für den Start in den Tag benötigte und verlieh ihr nicht nur eine gewisse Frische, sondern auch Bewegung, die sie im Sekretariat so sicherlich nicht bekam, egal wie oft sie die Räume wechselte. Wenn die Langhaarige so darüber nachdachte, dann überlegte sie sogar, Sport auf Lehramt zu studieren. Lehrkräfte waren immer gefragt, eine Stelle würde sie durchaus bekommen, Sport war sowieso immer eine gute Wahl und so bekam sie während der Arbeit ein wenig Bewegung und gleichzeitig konnte sie ihre Leidenschaft zum Beruf machen. Sie würde ausreichend Geld verdienen und hätte zudem feste Ferien, von denen andere Arbeitstätige nur träumen konnten. Was also hinderte sie daran? Ach ja, das Studium an sich sowie die Tatsache, dass sie vermutlich eine sehr strenge und eigenwillige Lehrerin sein würde. Besonders solche Menschen hatte sie während ihrer eigenen Schulzeit gehasst, wenn nur eine einzige Antwort richtig war, die der Einstellung der Lehrkraft entsprechen musste und es keinen Spielraum für Diskussionen gab. Nicht, dass sie scharf darauf war, Diskussionen zu führen, sie hatte früher eher zu denjenigen gehört, die lediglich mithörten und ab und zu zustimmend nickten. Eine solche Diskussion selber zu führen und dann auch noch gegen zahlreiche Kinder, konnte sie sich überhaupt nicht vorstellen. Nobu verwarf den Gedanken an den Job als Lehrerin wieder ganz schnell.

Als sie aus der Tür heraustrat, band sie sich noch ihre langen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen und sah sich um, um schließlich nach rechts die Straße zu nehmen. Nicht einmal hundert Meter hatte die junge Verwaltungsfachangestellte hinter sich und es begann schon zu regnen. Nicht stark, aber ausreichend, um die Haarsträhnen an ihre Stirn kleben und die Kleidung, bestehend aus einer schwarzen Leggins, einer schwarz-weißen locker sitzenden Shorts, die bis zu ihren Knien reichte sowie einem langärmeligen, violetten Trikot, unangenehm feucht werden zu lassen. Zumindest hatte sie sich warm genug angezogen, um eine Erkältung zu vermeiden und schritt, nachdem sie kurz gen Himmel geblickt hatte, weiter die Straßen entlang. Nichts und niemand konnte ihr den Sport verderben, schon gar nicht ein paar Regentropfen.


Zuletzt von Nobu Hyaku am Di Dez 19, 2017 3:15 pm bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Mi Dez 06, 2017 9:39 pm

A
ugenringe bis zum Kinn ; die lange Nacht hatte Spuren hinterlassen, zeichnete sich wie in dunkle Tinte getaucht in die jungen Züge der erschöpften Gestalt, deren Arme und Beine in Länge nicht adäquat für den kurzen Futon unter der Dachschräge erschienen und welche sich dementsprechend mit minder Eleganz aus den Laken wälzte, während das Schwarz vor dem kleinen Fensterglas schon längst zu Blau geworden war. Guten Morgen ; nur weniger gut, mehr Morgen. Der anthrazitgraue Ordner seiner Mitschriften der letzten Woche starrte so gänzlich vorwurfsvoll zur Begrüßung, dass Shizuka sich beinahe beschämt von ihm abwenden musste, barfuß und noch ganz blind vor Trägheit über den Holzboden schlürfend. Ein Glück, dass er vermieden hatte in seinen Vier Wänden mehr als einen einzigen Spiegel anzubringen, so musste auch er nicht seine klägliche Reflektion ertragen, das fahle Gesicht und das wüste Chaos von fuchsroten Strähnen auf seinem Schädel, bis seine Erscheinung mit einer Hand voll kühlem Wasser und einigen Stoßgebeten an wahllose Gottheiten gebändigt war. Dabei kroch ihm die Frische des Märztages über nackte Sohlen, schaffte sich Platz in einer Gänsehaut, über alle Glieder verteilt. Die Heizung musste über Nacht ausgefallen sein, mal wieder und bei seinem Glück auch das Warmwasser ,- Bingo. Jetzt hieß es, warm anziehen. Immerhin hatte sich der Strom an ihm erbarmt und der verbliebene Trost nahm letztlich die Form eines Bechers schwarzen Kaffees an, dessen wohliges Aroma und heißer Dunst ihm angenehm in's Gesicht schlugen, als sich einige Schlücke des kostengünstigen Bohnenwassers gönnte und nebenbei einen Blick aus der quadratischen Küche riskierte. Trist und farblos gab sich das launische Wetter heute, nicht minder einladend, als der Gedanke an die überfüllte Straßenbahn zu seiner Mittagslesung.

Was ihn am Ende doch aus der kleinen Wohnung getrieben hatte, schwarz in schwarz gekleidet, Laufschuhe, relativ schmale Sporthosen und eine passende Trainingsjacke, war das schwere Schweigen in jeder Dielenritze, das einen einsamen Morgen unerträglich machen konnte. Selbst Minako, die kleine vierpfotige Dame in seinem Leben, schien heute nicht darauf aus zu sein ihm einen Besuch abzustatten. Was blieb ihm dann noch anderes übrig, es war nunmal einer dieser Tage, einfach die Kopfhörer einstecken, den zerkratzten MP3 - Player anwerfen, ein bisschen ruhigere Klänge mit einem passenden Beat und sobald die Tür hinter ihm zugefallen war, tat er das, was er am besten konnte. Er rannte.

Die ersten Regentropfen sollten nur der Vorbote eines Unwetters werden, bis dahin aber hätte er seine routinierte Runde abgelaufen, so zumindest lautete der Plan. Was routiniert bedeuten sollte, war, dass Shizuka die engen Straßen beinahe blindlings hinter sich brachte, in einem lockeren Tempo und das blind nahm er wörtlich, wenn seine Sicht durch eine Erschütterung wieder zu verschwimmen drohte, presste er die Lider fest aufeinander, in einem unsinnigen Versuch wieder Klarheit vor der Linse zu haben. Es half so viel, wie man vermuten konnte und es war das Muskelgedächtnis allein, das sich all die Ecke und Kanten seines Weges eingeprägt hatte, dem er ein sicheres Vorankommen überhaupt verdankte. Eigentlich aber hatte ihn sein behandelnder Arzt stets gewarnt es nicht zu übertreiben, ein Ausrutschter allein würde genügen und er könnte sich von seinem fragilen Augenlicht verabschieden. Und vielleicht hatte er diesen Moment vorhergesehen, diese Sekunde, in der der Fuchs die Ballen seiner Hände gegen die geschlossenen Lider gedrückt hatte, diese ganz bestimmte waghalsige Kurve folgend, die sich so eng um das Gebäude schlang, dass ihm wahrscheinlich selbst dann kein Raum zum Ausweichen gegeben wäre, wenn er etwas gesehen hätte. Das letzte, was er tatsächlich erkennen konnte, kurz bevor ihn das Momentan beinahe von den Füßen riss und seine hochgewachsene Statur seitlings in eine Hausmauer gewuchtet wurde, war ein Schimmer zwischen grün und blau. Und Stille. Er musste seine Musik verloren haben. Doch es würde einen guten Moment dauern, bis er sich gefangen hätte ; solange war er mehr eine Darbietung eines desorientierten Eichhörnchens, welches vor einen Wagen gelaufen war, als alles andere. Was zur Hölle war eigentlich passiert.


Zuletzt von Shizuka Nishino am Mi Dez 13, 2017 8:48 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Mi Dez 06, 2017 10:37 pm



NobuHyaku
So naiv hatte sie geglaubt, niemand könne ihr den Sport verderben oder sie zumindest auf ihrem Weg aufhalten. Sie hätte ahnen müssen, dass man nicht so schnell auf eine solch enge Ecke zulaufen sollte, gab sie doch sonst auch stets Acht darauf. Es hätte ja auch ein Fahrrad kommen und sie anfahren können oder gar noch etwas schnelleres, größeres. Stattdessen war es ein Mensch, der in sie hineinrannte, was nicht minder schmerzhaft war und auch nicht unbedingt zu weniger Irritation bei der jungen Sportlerin führte. Nobu hatte wohl geglaubt, dass bei diesem Wetter, um diese Uhrzeit und in dieser Gegend niemand anderes Sport trieb oder sich überhaupt in den nassen Straßen umhertrieb. Nun musste sie auf schmerzhafte Art und Weise eines besseren belehrt werden.
„Ghn!“, machte sie und wich ein zwei Schritte zurück, um sich wieder zu sammeln und sich dabei die Stirn zu reiben. Es hatte sie anscheinend weitaus weniger schlimm erwischt als den jungen Mann an der Hauswand, dessen Haar ihr sofort ins Auge fiel, bildete es einen so deutlichen Kontrast zu seiner dunklen Kleidung und wirkte ein wenig surreal in dieser heute so tristen Umgebung. Vielleicht war es aber auch der Stoß gewesen, der ihr diese Wahrnehmung vorspielen wollte.
Schnell fing sie sich wieder, nahm ihre Umwelt wieder klar war, obgleich die Stirn noch schmerzte und auch ihre Brust etwas abbekommen haben musste, die sie langsam spürte. Dieser Vorbau, auch wenn er glücklicherweise klein gehalten war, war so unpraktisch und empfindlich, dass sie sich fragen musste, wie es anderen mit weitaus größerer Brust erging. Sie konnte sich kaum vorstellen, dass es Menschen gab, die freiwillig Operationen in Angriff nahmen, um diese sogar um ein vielfaches aufzublasen und – noch viel unvorstellbarer als der Gedanke an Brustvergrößerungen – damit auch noch Sport trieben. Wenn sie Treppen schnell nahm oder hüpfte, fühlte es sich an, als würden zwei Gewichte an ihrer Haut zerren. Sie errötete leicht bei den Gedanken an all die Brüste, selbst wenn es hauptsächlich um ihre eigenen ging. Es erschien ihr seltsam, so intensiv darüber nachzudenken, insbesondere in einem Moment wie diesem.

Die Augenbrauen besorgt zusammenziehend streckte sie eine Hand nach dem Fremden aus und berührte ihn zaghaft an dessen Arm. „Hast du dir was getan?“, wollte sie wissen, die Stimme dabei klein gehalten und etwas höher als sie üblicherweise war. Mit der anderen strich sie sich ein paar türkise Haarsträhnen aus den Augen und fuhr sich durch den geraden Pony, der durch die Nässe wilder aussah als noch vor wenigen Minuten im ungekämmten Zustand kurz nach dem Aufstehen. In den wenigen Sekunden des Zusammenstoßes kam es ihr vor, als wäre der Himmel noch bedeckter geworden und die Regentropfen größer.


Zuletzt von Nobu Hyaku am Di Dez 19, 2017 3:10 pm bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Do Dez 07, 2017 4:25 pm

B
linzelnd, und liderkneifend, den Fokus aus den Augen und die Perspektive verloren ; im wahrsten Sinne des Wortes. Was für einen Anblick er wohl gerade abgeben musste, mit einer Schulter angelehnt, sich von dem steinernen Gemäuer pflückend, die Linien in seinem Gesicht leicht verzogen, als könne seine Mimik sich nicht so recht einigen welcher Regung sie in welcher Reihenfolge Ausdruck verleihen wollte. Schmerz war dabei relativ, kaum mehr als ein unangenehmes Prickeln unter der Haut, dafür weckte er zwischen der Befürchtung, er habe jemandem etwas getan und er habe sich etwas getan, den Anschein von schlecht kaschierter Verstörung. Teilweise mischte sich auch Scham mitunter, darüber, dass er nicht in der Lage war angemessen auf das Fiasko zu reagieren. Eine Entschuldigung wäre nämlich durchaus angebracht gewesen, schließlich war er blindlings durch die Straßen gehüpft, als würden sie ihm zu der frühen Morgenstunde ganz alleine gehören, unachtsam über mögliche Passanten und weitere frühe Vögel seiner Art. Was sich aber von seiner Zunge rollte, sobald die zaghafte Geste seinen Oberarm erreicht hatte, war ein nicht sehr charakteristischer Laut der Unsicherheit. Die Dame, wie man es einmal wagte an dem weichen Klang ihrer besorgten Stimme anzumuten, verblieb zunächst eine schemenhafte Gestalt. Wie ein Polaroid im Regen, dessen schwere Tropfen im Hintergrund im mäßigen Tempo einen größeren Regenschauer ankündigten. Shizuka störte sich nicht an dem feuchten Film, der Haut und Kleidung benetzte, er liebte Gewitterstürme und Wasser war schon immer sein vertrautestes Element gewesen. Er wünschte nur sein Hirn wäre gütig genug den Druck von seinem Sehnerv zu mindern, denn ganz ehrlich gesagt wurde ihm ein bisschen übel von dem nichtssagenden Wisch - Wasch aus Farben vor seinen Linsen. Einen Effekt schien die ruhende Hand über seine Sportjacke jedoch zu haben, denn sie schüttelte ihn ein bisschen wach, lockte die ersten stockenden Worte aus dem Fuchs, dessen emotionale Wogen in der Miene sich langsam wieder zu glätten vermochten.

« Tut mir Leid, ich ━━ sehe gerade nichts .. »

Gefasst, wie er sprach, war es vermutlich trotzdem nicht die best gewählte Aussage, um jemanden zu beruhigen. Ein Armutszeugnis seines Talentes dafür, sich in einer alltäglichen zwischenmenschlichen Situation nicht gerade von seiner besten Seite zu zeigen, das war ihm irgendwo auch ein bisschen bewusst, als er einen kühlen Handrücken an die Stirn und den Kopf leicht in den Nacken legte ; hoffend sein Blut möge doch in den hinteren Teil seines Schädels abfließen. Vielleicht sollte er noch etwas von sich geben, er wollte die jung vermutete Frau ja auch nicht so mir nichts, dir nichts mit dieser halben Erklärung abspeisen, aus Höflichkeit allein. Ohne jedoch in ellenlange Erläuterungen abschweifen zu wollen, die ihr womöglich ihre kostbare Zeit geraubt hätten ,- und bei dem Wetter wäre sie in den nächsten Minuten im Trockenen deutlich besser aufgehoben ; ließ er schlichtweg das erste aus seinem Mund kommen, was ihm in dem Augenblick der kurzen Stille zwischen ihnen bewusst geworden war. Nämlich, dass den Kopfhörern, die jetzt unsinnig über dem hohen Kragen des Oberteils heraushingen, eigentlich ein Anhängsel beiwohnte. Der vermutlich einzige materialistische Gegenstand, dem Shizuka jemals irgendeine Bedeutung zusprechen würde, also fragte er einfach, schon ein bisschen plump.

« Kannst du vielleicht .. liegt hier irgendwo mein MP3 - Player ? Er müsste hellblau sein. »


Zuletzt von Shizuka Nishino am Mi Dez 13, 2017 8:49 pm bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Do Dez 07, 2017 9:43 pm



NobuHyaku
Verwundert über die Worte das jungen Mannes, der ungewöhnlich lange brauchte, um sich zu sammeln, zog sie ihre schmale Hand wieder rasch zu sich zurück. Er konnte nichts … sehen? Nobu runzelte kurz darauf schon die Stirn und machte einen Schritt zurück, um ihn etwas genauer zu betrachten und Abstand zu gewinnen. Er machte nicht den Anschein, jemand zu sein, der als blind galt. Sie konnte sich aber auch irren, schließlich kannte sie jemanden, der beinahe blind war und lange Zeit ohne Langstock ausgekommen war und auch jetzt, trotz des Langstocks noch wirkte, als könne er sehen. Es war sogar ein wenig beängstigend, wenn eine blinde Person einem direkt in die Augen sah und auch sonst die Fähigkeit besaß, sich zu verhalten wie jemand, der über sein volles Augenlicht verfügte. Sie konnte allerdings nicht sagen, was genau sie daran beängstigend fand.  Es bereitete ihr gewissermaßen ein unbestimmtes Unwohlsein.
Seine nächsten Worte verwirrten die junge Frau noch mehr, die ohnehin schon nicht wusste, was mit ihm war und wie sie ihm helfen konnte. Jemand, der nach einem Zusammenstoß derartig aussah, war entweder verrückt, jemand, der ihr was vormachte und sie ausrauben wollte oder jemand, der ernsthaft verletzt war und nicht wusste, was er von sich gab. Nobu stand nur da und starrte ihn sprachlos an, unsicher, was sie dazu sagen sollte und unsicher, ob sie ihm dabei helfen sollte, als erstes seinen MP3-Player ausfindig zu machen, während er medizinische Hilfe womöglich nötiger hatte. Dem Anschein nach brauchte sie keine Angst haben, dass er sie überfiel. Er wirkte zwar nicht schmächtig, aber auch nicht muskulös, auch wenn das natürlich nichts heißen musste. Dennoch sollte sie wachsam sein, wenn sie sich nach dessen Player umsah. Nicht zuletzt, um ihn aufzufangen oder zu stützen, wenn er umkippte, was sie bei diesem Anblick nicht ausschließen konnte. Ob der Regen die ganze Situation womöglich noch dramatischer wirken ließ? Vermutlich. Sie konnte schlecht sagen, ob er weinte oder es Regentropfen waren.

„Hellblau“, wiederholte sie die Beschreibung leise und murmelnd, während sie auf den Boden blickte, gleichzeitig aber aus dem Augenwinkel ein Auge auf ihn warf. Recht schnell fiel ihr etwas auf, das in einer kleinen Pfütze empor blitzte. Es war hellblau und konnte durchaus so etwas wie ein MP3-Player sein, von dem der Fremde sprach. Nobu griff danach und betrachtete ihn kurz und hielt ihn dem jungen Fuchs vorsichtig entgegen.
„Brauchst du Hilfe?“ Ihr Smartphone hatte sie nicht dabei, um Hilfe per Telefon holen zu können, aber sicherlich gab es nette Nachbarn hier in der Gegend, die einen an ihr Telefon ließen und einem jungen Mann, der nach einem Zusammenstoß nichts mehr sehen konnte, sicherlich halfen. Die Geschichte klang beinahe schon unglaublich, wenn sie es sich länger durch den Kopf gehen ließ. So schnell wie sie darüber nachgedacht hatte, so schnell kam ihr auch die Ahnung, dass er vielleicht eine Brille trug und diese verloren hatte, seine Worte nur dramatischer klangen, als sie gemeint waren. Erneut sah die junge Hyaku sich um, konnte auf die Schnelle jedoch nichts ausfindig machen.


Zuletzt von Nobu Hyaku am Di Dez 19, 2017 3:09 pm bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Do Dez 07, 2017 11:27 pm

W
ahrscheinlich hält sie dich für verrückt ; und der Wunsch, er könne das Gesicht der Joggerin sehen wurde plötzlich um einiges dringlicher, denn es wäre so viel simpler sich an ihrer Mimik orientieren, nicht nur allein an der Stimme, die allem Anschein nach viel Skepsis barg für seine - zugegebenermaßen - fragwürdige Reaktion. Obgleich das wohl keinen Unterschied in seiner betretenen Art bedingt hätte, nahm es ihm stets eine große Hürde für jede Konversation, wenn er seinen Gegenüber zumindest halbwegs lesen konnte. Das hier hingegen war beängstigend und selten fühlte Shizuka sich in seiner eigenen Haut so furchtbar unwohl, so hilflos, auf einen Fremden angewiesen. So größer die Dankbarkeit, dass die junge Frau keine Fragen stellte und seiner indirekten Bitte ohne unnötiges Kommentar hinterher kam. In der Zeit, in der sie den schmalen Gehweg nach seinem vermutlich wertvollsten Besitz absuchte, ließ der Fuchs seinen Kopf wieder nach vorne fallen. Aus der geisterhaften Erscheinung war nun eine Dame geworden, großgewachsen, blaugrün die feuchten Strähnen in ihrem Gesicht, gekleidet in einer dazu kontrastreichen Farbe. Noch konnte er keine feineren Züge ausmachen, sie verblieb nach wie vor gesichtslos. Erkennbar aber wurde die Hand, die sie ihm entgegenstreckte, dazwischen ein schmales, aquamarinblaues Rechteck. Was ein Glück. Eine Welle der Erleichterung schwappte über ihn, riss das Durcheinander mit sich und zauberte vielleicht kein Lächeln auf die schmalen Lippen, jedoch machte die dezente Gestik deutlich, dass ihm ein riesiger Stein vom Herzen gefallen sein musste. Für die Fremde war es vermutlich nur ein Stück verkratztes Plastik, völlig überaltert in der heutigen Zeit ; für ihn hingegen besaß es einen unglaublichen sentimentalen Wert und er hoffte sehr, das Antik hatte den Sturz unbeschadet überstanden.

So kam ihm ein anständiges « Danke. » über die Lippen, ehe zittrige Finger, vor Anstrengung wohl, nach seinem Besitztum griffen. Er hielt das Gerät mit äußerst geringem Abstand in sein Blickfeld, inspizierte beide Seite gründlich, dass die sorgenvolle Bekundung ihrerseits beinahe an ihm vorbeigegangen wäre. Hilfe, bot sie. So selbstverständlich, dass er verdattert die Brauen auf der Stirn zusammenzog, teilweise aus der eigenen Entgeisterung darüber, dass er wohl so bedürftig auf sie wirken musste und teilweise, weil er es tatsächlich nicht erwartet hätte ; besonders wegen dem Vorbehalt, den er zuvor aus ihrer Stimme interpretiert hatte.

« Nein. Das ist ━━ normal. »

Und daran war ganz sicherlich nichts normal, wenn die eigenen Augen zu versagen drohten, oder in seinem Fall auch das Innere seines Schädels, allerdings wollte er sie nicht unnötig beunruhigen oder gar einer Unbekannten seine Vergangenheit ausrollen, wie sonst hätte er ihr das alles erklären sollen. " Lange Geschichte ", setzte er dafür zaghafter hinterher, mit der selben Nüchternheit, die alle seine Behauptungen zierte, ob sie nun stockten oder nicht. Waren es nicht immer lange Geschichten ?

« Ich wohne ein paar Straßen weiter .. »

Shizuka hatte ein Talent dafür furchtbar tragisch auszusehen, die Schultern hängend, das alte Ding immer noch ergriffen zwischen den Fingern, mit den rötlichen Strähnen gegen seine Stirn gepflastert, inzwischen vermutlich auch mehr durchnässt, als trocken ; und dabei stand der große Regen noch aus. Wie er die Augen schmälerte, um ein klareres Bild von seinem Gegenüber zu haben, sich bewusst, dass er seinem Satz kein wirklich Ende verpasst hatte. Und nun ? Er wollte sich nicht auf Beistand verlassen. Das hier war sein Problem.

« Es wird ein Gewitter geben, du solltest nahause gehen. »


Zuletzt von Shizuka Nishino am Mi Dez 13, 2017 8:52 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Fr Dez 08, 2017 11:27 am



NobuHyaku
Besorgt und fasziniert zugleich beobachtete sie den Rotschopf dabei, wie er seinen Schatz unter die Lupe nahm. So nah, dass sie ihre Vermutung, er hätte womöglich eine Sehschwäche, bestätigt sah, obgleich sie in der Nähe keine zu Boden gefallene Brille ausfindig machen konnte und der Fremde auch keine zu vermissen schien. Oder es war ihm entfallen, wenn solch eine Situation schon normal für ihn war und es möglicherweise zur Gewohnheit gehörte, Brillen zu verlieren, sie wieder aufzuheben oder sie gar liegen zu lassen und erst in einer ruhigen Minuten wieder in Erinnerung zu rufen, dass man ja wieder einmal seine Sehhilfe verloren hatte. Entweder er lief äußert oft in andere hinein – vermutlich weil er seine Brille nicht trug – und bezeichnete sein Ungeschick als Normalität oder er wollte wohl ausdrücken, dass sein daraus resultierender Zustand für ihn als normal galt und er keiner Hilfe bedurfte. Auf Nobu hingegen machte weder das eine noch das andere den Anschein von Normalität auf sie. Sie wollte sich allerdings nicht anmaßen, ihn zu verurteilen oder ihm zu nahe zu treten, insbesondere da sie ihn hier zum ersten mal auffand und die ganze Situation viel zu suspekt wirkte, um noch sonderlich lange im Regen zu verweilen und sich seine lange Geschichte anzuhören. Sie war neugierig, gewiss, aber nicht neugierig genug, um ihren Anstand oder ihr Misstrauen zu verlieren und einen Fremden nach der Geschichte von seinem Verständnis für das Wort normal zu fragen. Die wohl etwas gereizt wirkende Nachfrage Normal?! konnte sie glücklicherweise unterdrücken und sprach sie lediglich gedanklich aus.

Die nächsten Worte rissen sie wieder aus den Gedanken und brachten sie unwillkürlich dazu, ihre Fäuste zu ballen. Was wollte er ihr damit sagen? Dass sie ihn nun nach Hause begleiten und womöglich noch mit reinkommen sollte? Entweder war alles nur gespielt oder er besaß ein äußerst schlechtes Gefühl dafür, eine Frau auf der Straße anzumachen, nachdem er mit ihr zusammengestoßen war. Andere Optionen kamen ihr in diesem Moment gar nicht in den Sinn, so nervös und wütend wurde sie zugleich. Nobu presste die Kiefer fest aufeinander und wollte schon zu einem Schlag mit der flachen Hand ausholen, als doch mehr Worte aus dem nunmehr trägen jungen Mann kamen. Jung war ohnehin eine relative Beschreibung. Er mochte wohl jung sein, vielleicht in ihrem Alter, doch seine Haltung, sein Auftreten wirkte wie das eines alten Mannes, der eine lange Geschichte hinter sich hatte, die sein Leben zeichnete und wenig Gespür besaß, eine Konversation mit einer temperamentvollen Person zu führen. Wie sollte er auch wissen, was für eine Art Mensch er vor sich hatte. Hätte er nichts weiter gesagt, hätte er es vermutlich auf schmerzhafte Art und Weise erfahren müssen. So verblieben sie wohl beide in Ungewissheit.

Ein kurzer Blick in den Himmel bestätigte die Wettervorhersage des anderen. Es war noch viel düsterer geworden und der Wind, der mittlerweile an Geschwindigkeit zugenommen hatte, brachte sie in ihrer leicht durchnässten Kleidung zum Frösteln.
„Und du solltest einen Arzt aufsuchen.“, entgegnete sie ihm mit fester Stimme. Die im Ansatz erhobene Hand wurde wieder gesenkt und hing etwas angespannt an der Seite herunter. Dann verschränkte sie die Arme fest vor der Brust und sah ihn mit ebenso festem Blick an.


Zuletzt von Nobu Hyaku am Di Dez 19, 2017 3:09 pm bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Fr Dez 08, 2017 8:39 pm

W
enn sie ihn zuvor für nicht zurechnungsfähig genug gehalten hatte, dann durfte sie damit wohl ihre Sicherheit erlangt haben ; und er konnte ihr das Urteil keinesfalls verwehren, dachte er nur zurück an die Worte, die ihn schon sein Leben lang begleiteten. Wenn du mit Menschen sprichst, mach' den Mund auf, denn schließlich kann niemand Gedanken lesen und bruchstückhaftes Gerede verursachte meist nur unnötige Missverständnisse und Misstrauen, die einem den kompletten ersten Auftritt ruinieren konnten, somit die Möglichkeit auf wundervollste Freundschaften bereits im Keim erstickten. Aber es sagte sich auch immer so einfach. Mal reden. Wenn man sein Leben lang den widerstandslosen Weg des Schweigens gegangen war, im groben Notfall dann auch einmal das Schwesterchen vorgeschickt hatte, um sich aus einer Diskussion zu winden oder Aufklärung zu verschaffen. Jetzt stand er auf den eigenen zwei Beinen, wackeliger, als je zuvor. Sein Schweigen war kontraproduktiv, gleichermaßen aber auch seine Worte, wo sie zum Gebrauch fehlten und in ungalanten Wendungen seine Situation beschrieben. Dabei hatte er eigentlich nur vermitteln wollen, dass das hier keine ungewohnte Begebenheit für ihn war, dass er oft mit solchen Anfällen zu kämpfen hatte, seit dem jungen Alter von elf Jahren und, dass auch seine Lesebrille ihm nicht weiterhelfen würde, oder ein Arzt. Dafür aber wäre sein Weg nicht weit, er könne direkt nach Hause, sich in die Federn hauen und abwarten, bis es vorüber war. So simpel. Was machte er eigentlich so einen Anstand ; und warum konnte er nicht ein bisschen mehr wie Frau mit dem langen, durch den Wasserfilm nun mehr tiefgrünen Haaren sein, die ihre starke Meinung ohne drumherum kundtat ?

« Ich habe einen Arzt », so klang es beinahe betroffen, als würde er ihren guten Rat eher als Kritik auffassen, wo er ihr vielleicht nur versichern wollte, dass er in diesem Sinne bereits versorgt und aufgeklärt war. Aber es musste wohl tatsächlich sehr patzig klingen, selbst für ihn, denn er fügte hinzu, sanfter, « und eine Diagnose », mit einem tiefen Atemzug, einem Seufzen gleich, obgleich dieses nicht in Verbindung mit seiner Aussage stand, eher mit dem Bedürfnis die Anspannung aus seinen Lungen zu lösen, wirkte es in der aktuellen Situation kapitulierend. Seine unruhigen Hände, die Knöchel weiß von dem frischen Märzwind, suchten Wärme in seinen Seitentaschen. Die Haltung offen, im Gegensatz zu der Dame, jedoch nicht weniger stur darauf zu beharren, dass alles in Ordnung sei, obwohl es ganz offensichtlich eine Unmöglichkeit für ihn war selbst ihre Gestalt auszumachen, unweit, wie sie voneinander standen. Er hoffte allerdings, sie nahm es ihm nicht all zu übel, dass er so war, wie er war. Sie erschien niemand zu sein, der einem Schlechtes wünschte und sie hatte sich bisweilen auch eher in Sorge gezeigt, auch wenn sie ihn wahrscheinlich nicht für voll nahm. Sie hatte eine Katastrophe, wie ihn, bereits am frühen Morgen nicht verdient.

« .. mein Name ist Nishino, Shizuka. »

Ein letzter Versuch konnte nicht schaden, wenn sie seine Entschuldigung nicht akzeptierte, dann hatte er es wenigstens versucht. Mehr konnte er in diesem Fall nicht. Ihm mangelte es an der Natürlichkeit, mit der andere soziale Interaktionen mit Fremden bestritten ; ein Freund war immer etwas anderes. Das hier war nur ein Disaster im Regen.

« Es heißt, ich sei nicht gut in so etwas ; reden. Falls ich dir zu nahe getreten bin ━━ » er stockte und wischte sich ein paar störende Wassertropfen aus der Miene. In der weiten Ferne waren bereits die ersten Anzeichen von Blitz und Donner auszumachen, noch allerdings hatte sie beide genügend Zeit, um in das sichere Trockene zu gelangen. Wieder hatte er seinen Satz in's Leere verlaufen lassen, immerhin der Ausdruck in seinem Gesicht zeugte von ehrlichem Schuldbewusstsein. Ob sie es akzeptierte, oder nicht, lag in ihrem Ermessen. Vermutlich aber hatte sie ihn bereits abgeschrieben und das hier war nur ein Gespräch um Kopf und Kragen, ersteren hatte er bereits leicht gesenkt, zumindest den Boden unter der Füßen schien er noch zu erkennen.

« .. ich würde gerne nach Hause. Wenn du Zeit hast, würdest du ein Stück mit mir laufen ? Es ist wirklich nicht weit. Ich kann dir einen Schirm geben. »


Zuletzt von Shizuka Nishino am Mi Dez 13, 2017 8:55 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Sa Dez 09, 2017 11:23 am



NobuHyaku
Das war seine Antwort? Er hatte einen Arzt? Hätte das Fuchshaar nichts weiter gesagt und es bei dieser Aussage belassen, hätte Nobu vermutlich nicht mehr an sich halten können und ihr wäre die Hand ausgerutscht. Vermutlich härter als ihr lieb gewesen wäre. Sie hatte, um ehrlich zu sein, nicht die Nerven dafür und konnte auch nicht die Geduld aufbringen, die es wohl benötigte, um sich mit diesem jungen Mann zu unterhalten. Erst sagte er etwas, das sie aus der Fassung brachte und dann sagte er wieder etwas, um die Situation zu entschärfen. Nobu erlebte eine Achterbahnfahrt, eine wilde Achterbahnfahrt, die sie rasend machte und beim nächsten – beinahe freien – Fall wieder so sehr beruhigte, dass sie bereute, sich nicht auf ihn einzulassen und ihm erst einmal nur zuzuhören, anstatt direkt zu bewerten. Eines war jedenfalls klar: sie war noch nie zuvor jemandem begegnet, der die Fähigkeit besaß, sie dazu zu bringen, so schnell zuschlagen und genauso schnell wieder aufhören zu wollen. Für gewöhnlich schlug sie zu und das war es dann. Ende der Diskussion, die sie gar nicht geführt, sondern damit bereits verhindert hatte.
Der Fremde mit der Diagnose, die alles sein konnte, machte sie furchtbar nervös, so dass sie begann, auf ihrer Unterlippe herumzukauen und ab und an die Kiefer aufeinander zu pressen. Die verschränkten Arme verkrampften leicht und übten einen leichten, aber unangenehmen Druck auf ihre Brust aus. Etwas, das sie noch weniger entspannte, das sie jedoch nicht unterlassen konnte. Es war sogar ein wenig verwunderlich, dass ihr bei dieser Spannung nicht die Haare zu Berge standen – vermutlich lag es nur an der Nässe, die die türkisfarbenen Strähnen beschwerten.

Sonderbar. Das beschrieb diesen Fremden vermutlich am besten. Unbeholfen, kam ihr ebenso in den Sinn. Sie wusste selber, dass sie nicht die Beste darin war, Konversationen zu halten und soziale Interaktionen einzugehen und sie wusste selber nur zu gut, dass sie es anderen, die Probleme damit hatten, nicht gerade leicht machte. Sie wollte gar nicht wissen, wie vielen sie schon damit Unrecht getan hatte, wenn sie Gespräche abbrach, weil sie nicht geduldig genug war, um sich auf schleppende Unterhaltungen einzulassen. Vermutlich machte das alles nur schlimmer, die Leute fühlten sich danach noch schlechter und je öfter sie auf so eine Nobu trafen, desto schwieriger wurde es sowohl für die Leute selbst als auch ihre Gesprächspartner.

Den Worten des Fuchsschopfes kommentarlos, aber merklich angespannt lauschend, seufzte sie laut, als er geendigt hatte. Dann machte sie einen Satz nach vorne, griff nach seinen Oberarmen und zog ihn so weit runter, dass sie beinahe seine Nase berühren konnte. „Was zur Hölle stimmt nicht mit dir, Shizuka?!“ Jetzt hatte sie es wohl selbst vermasselt und all das, was ihr vorher noch durch den Kopf gegangen war, wieder einmal umgesetzt und dazu beigetragen, die Welt ein wenig düsterer zu gestalten.
Sie ließ ihn wieder los, ihre eben noch finstere Miene wurde ersetzt durch eine besorgte, aber nach wie vor genervte. Noch einmal seufzte sie und legte dabei einen Finger an die Stirn, obgleich sie ihm gar nicht den Vogel zeigen wollte, sondern ihre Stirn nur ein wenig massierte. In dem Moment erschien es wohl doch von Vorteil, dass er sie nicht richtig sehen konnte.
„Du bist ein ganz mieser Redner.“, begann sie, diesmal wieder sanfter. „Ich bin ehrlich. Ich habe keinen blassen Schimmer, wie ich dich einschätzen soll. Daher tue ich es jetzt einfach nicht. Ich begleite dich nach Hause und wenn du auf dumme Gedanken kommst und das eine Masche sein soll, bekommst du noch ein paar andere Diagnosen.“ Auf das Angebot mit dem Schirm ging sie gar nicht erst ein, es erschien ihr völlig absurd jetzt noch einen Schirm zu verwenden, war sie doch bereits durchgenässt. „Und ich heiße übrigens Nobu.“, sagte sie zuletzt und sah ihn gespannt an, in dem Glauben, er würde nun lieber alleine gehen.


Zuletzt von Nobu Hyaku am Di Dez 19, 2017 3:09 pm bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Mo Dez 11, 2017 6:15 pm

I
n über zwei Jahrzehnten hatte Shizuka kein einziges Mal die Stimme gegen eine Frau erhoben, ganz zu schweigen von der Hand, und er würde an diesem Tage sicherlich nicht damit anfangen, obgleich sein Körper dafür gegen einen natürlichen Reflex der Selbstverteidigung ankämpfen musste ; oder vielleicht weniger natürlich, und mehr antrainiert, denn in seiner Jugend war ihm selten jemand nahe gekommen, wenn es sich nicht um Ärger handelte. Und die junge Frau, wie sie sich später als Nobu vorstellen sollte, war nicht unbedingt zaghaft oder zärtlich. Sie zog und zerrte und schüttelte, offensichtliche Irritation in der Stimme und der Haltung, gänzlich ungeniert über ihren Vorwurf, während der junge Student an der eigenen Nase zu ihr herabstierte, wo sich erneut Wasserperlen, von seinen Haarspitzen tropfend, über seine Sommersprossen perlten. Nun, das war definitiv unangenehm. Man sah ihm auch an, dass er etwas überfordert schien, über die Worte vielleicht, oder die Nähe ; zumindest sagte er eine Weile nichts, als würde er sich Gedanken um eine Antwort machen, auf eine Frage, die im Grunde keine gewesen war. Was stimmte mit ihm nicht. Offensichtlich mehr, als er vermutet hatte, sonst wäre er ihr sicherlich nicht aufgefallen, auch nicht den Kommilitonen in der Universität, oder den Kindern in der Schule damals. Sogar seiner eigenen Familie. Als Nobu nach einigen Atemzügen wieder von ihm abgelassen hatte, wägte er noch immer einige Antworten auf der Zunge ab und entschied sich, mit einer selbstkritischen Miene zu der Wahrheit, die allerdings so hauchdünn über seine Lippen kam, dass man sie gut überhören hätte können. Ich weiß es nicht, verhieß das kleine Seufzchen und der Fuchs zog die Schultern etwas an, in einer ahnunglosen Geste. Längst vergessen geglaubte Zweifel würden sich später darüber noch zu Wort melden, vorerst war man nur froh darüber, dass sie nicht ausfallender darüber geworden ist. Er wollte seinen Tag nicht bereits am Morgen mit einem Streit auf offener Straßen beginnen.

Und allem Anschein nach nahm sie das Friedensangebot ja doch noch an. Nicht ohne ihn unnötigerweise daran zu erinnern, dass sie ihm nicht wirklich über den Weg traute und, dass er wohl noch immer keinen guten Eindruck bei ihr hinterlassen würde, doch mehr oder weniger besänftigt schafften sie es sogar auf eine Namensbasis zu kommen. Positiv überrascht, wenn die Miene auch unverändert blieb, testete Shizuka ihren Titel mit einer nun beinahe herzlichen Miene, fern von einem richtigen Lächeln, aber offensichtlich weitaus entspannter, als die Momente zuvor. Er nickte leicht zur Bestätigung auf ihr offizielles Kennenlernen, « Nobu ", und streifte sich den feuchten roten Haarlappen aus der Stirn, bis nach hinten.

« Du erinnerst mich an meine Schwester ; ihr habt das gleiche Temperament. »

Ob das jetzt ein Kompliment war, oder nicht .. das lag im Auge des Betrachters, allerdings hatte der sonst eher nüchterne Ton seinerseits nun doch etwas heiteres angenommen, trotzdem konnte das vermutlich ein bisschen schräg herüberkommen. Vielleicht erklärte die Aussage zumindest, weshalb er nicht bereits einen großen Bogen um sie gemacht hatte, wie vermutlich jemand anderes, der auf so viel aufbrausende Energie getroffen wäre. Er war es schlichtweg gewohnt und es brauchte mehr, um ihn tatsächlich zu vertreiben. Außerdem wollte er ihr wirklich einen Schirm geben, solange es noch einen trockenen Flecken an ihrem Körper gab. Damit nannte er ihr schließlich den Namen eines Bücherladens ; dessen, über dem er wohnte. Fragte sie, ob sie den Weg dorthin kannte, es war also tatsächlich nicht weit, ehe er die Hände schützend und schwörend vor die Brust erhob. Er hätte kein Interesse ihr zu schaden, sagte er, trocken und ohne irgendwelche Zweideutigkeiten zu verschleiern. Ein frischer Wind erinnerte ihn daran, wie sehr er sich tatsächlich nahm der Wärme seiner Bettfedern zurücksehnte, deshalb wand er sich mit einem Neigen des Kopfes und einem unfokussierten Blick in den Himmel zum Aufbruch.

« Wir sollten uns beeilen. »

Die Augen verblieben schmal, als er sie auf Nobu herabsenkte. Nur, weil er noch immer nicht viel mehr von ihr ausmachen konnte, als nötig war. Ob sie ihm folgte, als er seinen deutlich gemäßigten Lauf zurück nach Hause antrat, wusste er noch nicht. Da der Regen jedoch bereits an Intensität gewonnen hatte und langsam mehr, als nur eine nebensächliche Unannehmlichkeit wurde, nahm er zumindest an sie würde nicht auf der Stelle verharren wollen.


Zuletzt von Shizuka Nishino am Mi Dez 13, 2017 8:57 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Di Dez 12, 2017 1:07 pm



NobuHyaku
E fühlte sich seltsam an von diesem Fremden beim Namen genannt zu werden. Warum hatte sie ihm überhaupt ihren Namen verraten und sich nicht mit einem gänzlich anderen vorgestellt? Sie hätte sich dafür ohrfeigen können, einerseits so misstrauisch und dann so unvorsichtig zu sein. Andererseits nannte der Fremde ihr seinen vollen Namen und später sogar seinen Wohnort oder zumindest einen Ort, zu dem sie ihn begleiten sollte. Wenn jemand etwas gegen den anderen in der Hand hatte, dann war es vermutlich die junge Frau.
Insgesamt war es eine eigenartige Situation, die sogar hätte lustig sein können, bedachte man, dass hier ein junger Mann namens Shizuka und eine junge Frau namens Nobu standen, deren Namen man gut hätte tauschen können, ohne dass es jemandem auffallen würde – vermutlich würde man es ihnen sogar eher abkaufen als ihre aktuellen Namen. Sie waren wortwörtlich ineinander gerannt, es begann zu regnen und klischeehafter hätte ein erstes Aufeinandertreffen nicht sein können. Es fehlte nur noch die romantische, untermalende Musik und das Glitzern in den Augen der beiden.

Als er seine Schwester erwähnte, entging ihr abermals ein lautes Seufzen, doch nun setzte sich das kleine Puzzle, warum er noch nicht weggelaufen war, zusammen. Nur jemand, der jemanden wie sie kannte oder ein außerordentlich niedriges Selbstbewusstsein hatte, würde in diesem Moment bei ihr bleiben und sie sogar dazu einladen, einen nach Hause zu begleiten. Abgesehen von der kriminellen Variante, das alles zu spielen und sie entführen zu wollen. Doch Nobu wollte nicht weiter daran denken, sie wusste sich zu verteidigen und damit galt dieser Befürchtung keine Beachtung mehr zu schenken.
Sie bestätigte seine Frage, ob sie den Bücherladen kannte, mit einem nicken und als sie sich nicht sicher war, ob er das überhaupt wahrnehmen konnte, setzte sie noch ein deutliches, aber freundliches „Ja“ nach. Sie war selber zwar nie in dem Laden, aber durchaus davor gewesen, hatte öfter mal durch die Fenster gesehen und sich bereits mehrfach vorgenommen, hineinzugehen und nach Sachbüchern zu schauen. Vielleicht sollte sie dies heute mal ändern und dem Laden einen Besuch abstatten, vielleicht sogar Geld lassen.
Schon ganz in Gedanken an all den Lesestoff, bemerkte sie sein Abwinken, er wolle sie selbstverständlich nicht überfallen, nur flüchtig. Sie glaubte ihm zwar noch nicht, aber solange er nichts tat, würde dieser Umstand sie nicht daran hindern, ihm bei dem Weg nach Hause Gesellschaft zu leisten. Auch wenn sie ein mulmiges Gefühl dabei hatte, sollte er so schwer verletzt sein, dass er jeden Moment umklappen konnte.

Auf Shizukas weitere Worte hin und sein Voranschreiten, zog sie an, um schließlich neben ihm laufen zu können. Um dem unangenehmen Schweigen zu entgehen und auch, weil sie nicht erwartete, dass er von sich aus ein Gespräch starten würde, begann sie selbst damit. Sie ermahnte sich, nicht zu ungeduldig zu sein, wenn sie ihm Fragen stellte. Am liebsten hätte sie ihre Hände, die mittlerweile eiskalt geworden waren, irgendwo verstaut, in Jacken- oder Hosentaschen, die an ihren Sportsachen leider nicht vorhanden waren. Sie hätte ihre Handschuhe mitnehmen sollen – hätte sie bloß geahnt, dass es so kalt und regnerisch würde.
„Shizuka“, begann sie nun wieder mit sanfterer Stimme. „Wie fühlst du dich jetzt?“ Ein Abklopfen der aktuellen Lage konnte nie schaden, gleichzeitig hielt sie ihre vollen Lippen in Bewegung. „Nicht, dass du gleich umkippst.“, meinte sie leise, mehr zu sich selbst, denn zu dem Rotschopf.


Zuletzt von Nobu Hyaku am Di Dez 19, 2017 3:09 pm bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Di Dez 12, 2017 7:45 pm

D
ass sie der indirekten Einladung zu folgen tatsächlich nachgekommen war, merkte Shizuka erst in dem Moment, an dem sie ihre Stimme erhob um das Schweigen zu brechen, in dem der Student nach seiner letzten Aussage verfallen war. So konzentriert, wie er sich auf seine Umgebung fixierte, um seinen Fehler nicht gleich zweimal hintereinander zu wiederholen und in das nächste Hindernis zu rennen, war ihm nicht wirklich bewusst geworden, dass man die Stille als unangenehm auffassen könnte. Besonders, weil er die Priorität hatte so rasch wie menschenmöglich in's Trockene zu gelangen, ohne Rücksicht auf etwaige Verluste.
Ihre Erkundung ließ ihn allerdings etwas überrascht aufsehen, als hätte er nach der Zurschaustellung ihrer Hitzigkeit nicht erwartet, dass ihr Ton noch einmal zu solch einer Sänfte finden sollte. Der Blick, den er ihr schenkte, war allerdings eher kalkulierend, als entgeistert. Denn er war sich nicht sicher, was für eine Antwort er ihr geben sollte. Die Wahrheit, natürlich. Doch als er ihren Blick aus hellen Augen auffing, begann er zu befürchten, dass er ihr mehr Sorgen bereiten würde, als man einem Fremden zutrauen sollte. Obwohl sie einander womöglich gar nicht mehr so unbekannt waren. Sie kannte seinen Namen, seinen Wohnort, sogar etwas über seine Familie hatte sie bereits in Erfahrung gebracht. Das war vermutlich das turbulenteste Kennenlernen, dass er bisher hatte durchmachen müssen und es war vielleicht nicht der gängigste Weg eine Freundschaft zu knüpfen, aber was war denn schon normal an ihm. Außerdem, was hatte er schon großartig zu verlieren ? Wenn sie sich bereits eine Meinung von ihm gebildet hatte, dann bezweifelte er, dass es irgendetwas geben könnte, was sie umstimmen sollte.

« Es schmerzt ein bisschen », gab er so nach einen längeren Moment schließlich zu, mit einer Hand an der linken Gesichtsseite, als würde das Gebiet einschränken wollen, an dem der Schmerz sich lokalisierte. Da keine äußerliche Verletzung zu erkennen war, galt zu vermuten, dass das Leid von innen heraus kam. Genauer gesagt war es wohl vielleicht eher ein ziemlich unangenehmes Taubheitsgefühl. Schwer in Worte zu fassen, wenn man es nicht selbst erlebt hatte, einfach auch weil es so ein seltenes Phänomen und mit nichts wirklich zu vergleichen war. Nobu hatte sicherlich keinen blassen Schimmer und der Fuchs seufzte, als er sich kurzzeitig von ihr abwandt. Er sprach so ungerne über vergangenes und über diese Art von Behinderung, die ihm zukünftig mit großer Sicherheit das Augenlicht kosten könnte.

« .. es ist nichts gefährliches ; ich .. hatte einen Unfall als Kind. »

Gefahr war in diesem Zusammenhang ja auch eher relativ, allerdings bezog er sich da eher auf sein Leben und seine Gesundheit. Bis auf ein paar unangenehme Nebenwirkungen würde er ihr sicherlich nicht einfach vor die Füße fallen. Zumindest sofern er nicht in die nächste Hausmauer rannte. Um die junge Frau nicht mit so einer bitteren Miene abzuspeisen, suchte er wieder nach ihrem Blick und bemühte sich ein wenig Zuversicht, woher er sie auch nehmen wollte, in seine nächste Aussage zu packen, « Man gewöhnt sich daran », ehe das warme Braun hinab glitt und an den weißen Knöcheln ihrer Hände hängen bliebt. « Deine Hände .. frierst du ? »

Es war eine rhetorische Frage und ehe Nobu auch nur den Ansatz einer Antwort formen konnte, hatte Shizuka sich seiner Trainingsjacke entledigt, nur den Hausschlüssel und seinen geschätzten MP3 - Player entnehmend, und hielt ihr den Ballen dunklen Stoffes blinzelnd, wie auch erwartungsvoll entgegen. Er selbst hatte ein langärmliches Oberteil darunter, dünn wie es war, allerdings auch trocken, denn seine Jacke war zwar feucht, aber nicht durchnässt und die Seitentaschen eigneten sich hervorragend, um die kühlen Finger etwas aufzuwärmen. In seinen Augen, war es das Mindeste, zudem waren sie bereits wieder zur Hälfte zurück. Er hatte schlimmeres überlebt.


Zuletzt von Shizuka Nishino am Mi Dez 13, 2017 8:59 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Mi Dez 13, 2017 2:06 pm



NobuHyaku
Da sie weder eine Wunde, noch eine Schwellung oder gar Rötung an der Wange des Rotschopfes ausmachen konnte, tippte die Langhaarige darauf, dass es womöglich nur leicht schmerzte oder seine Zähne erwischt hatte, die etwas mehr als leicht zu schmerzen schienen. Besonders Zähne waren empfindlich, was Stöße anging, ohne dass man es äußerlich ausfindig machen konnte. Sie erinnerte sich noch sehr gut daran, dass sie erst letztens einen kleinen Hund heruntergebeugt begrüßt hatte und dieser ihr ins Gesicht sprang, mit der Stirn voraus gegen ihre Mundgegend. Das Resultat waren eine angeschwollene Lippe sowie schmerzende Schneidezähne. Dass ein kleiner Hund solch eine Kraft hatte und selber nur leicht irritiert vom Aufprall zurückwich, wunderte sie sehr. Aber sie wunderte sich auch, wenn Leute mit ihren kleinen Hunden Gassi gingen und diese so sehr an der Leine zogen, dass die Besitzer schneller und vor allem mit nach vorne ausgestrecktem Arm liefen. Unglaublich, was diese winzigen Tiere für eine Kraft aufbringen konnten. Sie konnte sich allerdings gut vorstellen, dass man ähnliches von Menschen dachte, die allem Anschein nach untrainiert waren.
Würden sie sich etwas näher stehen, hätte sie ihm vermutlich ihre Hand als Coolpack angeboten, denn kalt genug waren sie ganz gewiss. So hingegen wagte sie es nicht, es könnte unangenehm werden, sowohl für ihn als auch für sie und die Situation war ohnehin schon unangenehm und seltsam genug. Nein, das brauchte sie wirklich nicht.

Diese Worte warfen ihre Vermutungen natürlich vollkommen um. Vorausgesetzt, der Unfall hatte nichts mit seinem Gebiss zu tun, das selbstverständlich auch eine Option darstellen konnte. Aber womöglich erklärte der Unfall, warum er so empfindlich auf einen solchen Zusammenstoß reagierte und temporär nichts sehen konnte – wenn sie ihn richtig verstanden hatte und es wirklich nur eine momentane Reaktion war. Eine Reaktion von recht langer Dauer, rechnete sie ansonsten eher mit wenigen Sekunden bis wenigen Minuten.
„Einen Unfall?“, echote Nobu das offensichtliche. Natürlich ein Unfall!, hallte es zwischen ihren Ohren wider. Was für eine Frage, bei seiner bisherigen sozialen Kompetenz nahm er diese Frage womöglich noch ernst und gab sich Mühe damit, darauf eine passende Antwort zu finden. Sie hoffte, dass sie mit ihrem Eindruck von ihm falsch lag, das würde eine Unterhaltung zwischen ihnen deutlich erleichtern.

Nun fehlte tatsächlich noch die romantische Musik, ein Erröten seitens Nobu – Moment, sie errötete ja schon – und ein schüchternes Lächeln in Shizukas Gesicht. Nobu schon die Unterlippe schmollend nach Vorne und griff etwas unvorsichtig nach dessen Jacke, die sie sich sogleich überwarf, um die Hände rasch in den Taschen zu verstauen. Sie war nicht unhöflich und eigentlich waren ihre Hände auch so kalt gewesen, dass eine sehr entgegenkommende Geste war, dennoch sagte sie: „Das wäre nicht nötig gewesen.“ Sichtlich gelogen richtete sie ihren Blick an sich herunter auf die schwarze Jacke. Leicht feucht, dafür aber Wärme spendend, nicht zuletzt, weil Shizuka sie zuvor durch eigene Körperwärme angewärmt hatte. „Trotzdem danke“, schob sie etwas patzig hinterher. „Dabei bist du der verletzte und solltest möglichst schnell ins Warme. Apropos ...“ Nun sah sie mit ihren gelben Augen wieder in Shizukas Gesicht und versuchte auszumachen, ob er sie sehen konnte oder nicht. „Kannst du wieder was sehen?“


Zuletzt von Nobu Hyaku am Di Dez 19, 2017 3:08 pm bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Do Dez 14, 2017 3:26 am

S
ie verlangte keine Antwort, und er würde ihr keine geben. Obgleich er sich sonst so bemüht zeigte ein passende Entgegnung auf alles zu finden, die sich im Nachhinein eher als unpassend erweisen sollte, war er wirklich nicht erpicht darauf den roten Teppich seiner Leiden auszurollen und vielleicht vollkommen unerwünschtes Mitleid zu erwecken. Selbst wenn Nobu, und dabei wollte er zumindest auf das winzige bisschen seiner Menschenkenntnis vertrauen, nicht unbedingt wirkte, als wäre sie darauf aus ihn mit übermäßig Mitgefühl zu überschütten. Er mochte das an ihr, ihre Art einfach. Ein bisschen burschikos, vielleicht ? Er wollte nicht grob sagen, denn das passte irgendwie nicht wirklich zu ihr, allerdings schaffte sie es eine starke Persönlichkeit mit Sorge zu vereinbaren, ohne übertrieben zu wirken. Alles andere hätte ihn abgeschreckt, besonders weil er sich selbst oft genug für schwach und gebrechlich hielt. Ihr seine Jacke zu vermachen war einerseits ein Weg sich bei ihr zu bedanken, andererseits der Anstand, den man ihm seit frühester Kindheit anerzogen hatte. Sekunden später wäre er bis auf die Knochen durchnässt und in seiner Miene läge ein wenig Unsicherheit über die Reaktion der jungen Frau, ehe die Zufriedenheit über ihre Hände, nun im wärmenden Schutz der Taschen, die Oberhand gewann. Etwas, das bei genauem Hinsehen der Ansatz eines herzlichen Lächelns hätte sein können, wäre seine Mimik nicht sonst eher krampfhafte Neutralität. Und wenn er sie noch eine Weile lang betrachtete, dann nur, weil er sein blinder Fleck es immer noch immer schwer für ihn machte schlauer aus ihr zu werden. Immerhin machte es keinen Unterschied, ob sie verlegen wurde oder ihr Gesicht verzog.

« Es ist ein langsamer Prozess. »

Das Geständnis kam überraschend quick, während Shizuka den Kopf kurz zur Seite drehte, in der Hoffnung seine eigene Straße erkennen zu können. Farben und Formen waren vertraut, aber das Wasser, das unaufhörlich vom Himmel herabfiel, zog einen Grauschleier über all das und weckte den einen oder anderen Zweifel. Ein Glück, dass Nobu ihn notfalls lenken konnte, falls er doch vom Weg abkommen sollte. Sie wusste ja, mehr oder weniger, wohin es gehen sollte ; um Ehrlich zu sein, aus diesem Grund hatte er ihr auch den Namen des Bücherladens genannt. Wenigstens einer von ihnen sollte Durchblick haben und der Fuchs war inzwischen auch eher damit beschäftigt zu frieren, so gut er das auch zu verstecken versuchte. Wenn weder Fett noch Muskeln einen schützen konnten, ging die Kälte nun mal direkt an den Knochen. Um sich abzulenken, wand er seine Aufmerksamkeit wieder seiner Begleitung zu, sie eingiebig in Betrachtung nehmend, gab er sich offensichtlich Mühe die Details ihrer Erscheinung aufzunehmen. Als würde er gegen eine Linsentrübung ankommen wollen, die alles in einen milchigen Filter tauchte.

« Du bist .. ein bisschen schärfer, als vorher. »

So konnte man es natürlich auch formulieren, bei seiner Wortgewandtheit sollte man sich allerdings nicht wundern, er hatte schon deutlich schrägere Aussagen von sich gegeben und es war ja auch die Wahrheit. Die Konturen waren deutlicher geworden, inzwischen hätte eine Brille sicherlich das eine oder andere Gute getan. Stattdessen blieb Shizuka nichts anderes übrig, als ihr ein wenig näher zu kommen, um die vollen Lippen in den femininen Zügen auszumachen, oder das Paar heller Iriden, die offensichtlich eine Erinnerung in ihm weckten.

« Deine Augen ━━ »

Allerdings würde er nicht dazu kommen seinen Satz auszuformulieren, denn seine Aufmerksamkeit galt nur einem Schein von Grün, in erreichbarer Nähe. Er vermutete sein Wohngebäude, die zwei Stockwerke, die teilweise von einem pflanzlichen Geflecht überwuchert waren. Im Erdgeschoss ein kleiner, wohlbestückter Bücherladen, der eine gemütliche, fast heimische Atmosphäre versprühte, zu dieser Uhrzeit allerdings noch geschlossen war. Und dann riss der Himmel über ihnen auf.
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Fr Dez 15, 2017 10:24 am



NobuHyaku
Er ging nicht auf den Unfall ein, was ihr zu verstehen gab, dass er nicht darüber reden wollte – oder zumindest nicht mit ihr als recht fremde Person darüber reden wollte. Nobu hatte Verständnis dafür, mehr als sie eigentlich glaubte, für den jungen Mann aufbringen zu können. Es erinnerte sie selber an eine Situation, die ihre Kehle austrocknen ließ, so dass sie schlucken musste. Ein langer Prozess musste es wirklich sein, allein aus psychischer Ebene. Das Prasseln der Regentropfen übertönte dieses laute Geräusch und Nobu war zum ersten mal froh, dass sie im Regen stand. Üblicherweise mochte sie den Regen und Gewitter, allerdings nur, während sie in ihren eigenen vier Wänden saß, es sich gemütlich machen konnte und sicher nicht nass wurde.

Die junge Frau gab sich Mühe, den anderen nicht zu mustern. Sie wusste schließlich nicht, wie viel er wirklich sah und es erschien ihr nicht nur unangenehm, sondern unhöflich, würde sie jemanden genau unter die Lupe nehmen, während es jenem nicht möglich war. Stattdessen sollte sie lieber auf die Umgebung schauen, vor allem auf den Weg vor dem Fuchs, damit er nicht stolperte oder womöglich wieder gegen etwas lief. So bemerkte sie auch kein Frösteln oder ähnliche Anzeichen, die darauf schließen ließen, dass er die Jacke nötiger als sie gehabt hätte.
Was sie hingegen spürte, war sein Blick, der auf ihr ruhte, bestätigt durch seine unglücklich formulierten Worte, die sie schmunzeln ließen. Mittlerweile war bei ihr angekommen, dass sie ihre Begleitung für solche Worte nicht verprügeln musste. Solange er sie nicht anfasste, durfte er wohl sagen, was er wollte.

In der Erwartung, dass er ihr ein Kompliment machen wollte, starrte sie ihn erwartungsvoll an und stolperte beinahe in eine große Pfütze hinein. Ihr Gleichgewicht konnte sie wieder fangen, so dass nun lediglich ihr rechter Fuß gänzlich durchnässt war. Ein Hoppser bei Seite und sie wich der großen Pfütze damit aus, an der Shizuka glücklicherweise knapp vorbei schreiten konnte.
Als die Hyaku ihren Blick wieder nach vorne richtete, entdeckte sie den grünen Bücherladen. Ein gemütlich und einladend aussehendes Gebäude, auch wenn es bei dieser Belichtung ein wenig finster wirkte, doch das traf beinahe auf alle Gebäude in diesem Licht zu.
Die Beleuchtung in all der Umgebung änderte sich jedoch schlagartig und Nobu fühlte sich geblendet, als sie gen Himmel sah - förmlich aufgerissen durch einen hellen Blitz, wenige Sekunden später gefolgt von einem ohrenbetäubenden Donnern und die Langhaarige zuckte vor Schreck zusammen. Sie hatte keine Angst vor Gewittern, gewiss nicht, doch das Donnern kam so unerwartet und laut, dass ihr keine andere Reaktion möglich war. Der Regen wich nun einem Schauer, bestehend aus dicken, schweren Tropfen, die wie kleine Stecknadeln auf die weiche Haut in ihr Gesicht trafen und nun auch die letzten trockenen Stellen an Kleidung und Körper durchnässten. Sie spürte sogar schon, wie einzelne Tropfen ihren Rücken herunterliefen und ihre Unterhose erreichten – ein äußerst unangenehmes Gefühl.

Auf dem restlichen Weg zum Ziel musste sie beinahe schreien, damit ihre Worte gehört werden konnten. „Was ist mit meinen Augen?“


Zuletzt von Nobu Hyaku am Di Dez 19, 2017 3:08 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Fr Dez 15, 2017 8:44 pm

R
egen machte ihn immer ganz melancholisch ; die Frage war, was nicht ? Manchmal kam man nicht drum herum ihn als eine wandelnde Tragödie zu empfinden, auch an den guten Tagen, man musste nur kurz einmal wegsehen und schön übte er sich in Trauermienen. Und in diesem Moment sowieso, pudelnass im dämmernden Licht des Morgens, gab er trotz seiner hochgewachsenen Statur ein eher klägliches Bild ab. Glücklicherweise war das Zuhause schon so nahe, dass man die wohlige Trockenheit quasi schmecken konnte, und wenn Nobu etwas sagte, dann versuchte der Fuchs ihr zunächst mit einer wortlosen Geste klar zu machen, dass es klüger wäre reinzugehen, bevor sie das Gespräch in irgendeiner Form fortsetzten. Zumal er wirklich nicht gerne schrie und seine Stimme nicht dafür gemacht war sich über die angenehme Zimmerlautstärke zu erheben. Die andere Hand, die nicht gerade gestikulierte, schützte empfindliche Augen vor unbarmherzigen Tropfen, zumindest soweit möglich, irgendetwas musste er ja noch sehen können. Mit einem Neigen des Kopfes deutete er an, dass die Frau ihm folgen sollte, oder konnte, er würde sie weder zerren noch drängen, sie kannten sich auch viel zu wenig dafür, um ungefragten Körperkontakt herzustellen. Doch bei aller Liebe zu seinen Manieren, länger als nötig wollte er sich dieser Miniaturversion eines Tsunami nicht aussetzen. Da hatte er schon die Schlüssel griffbereit, blickte noch einmal vielsagend hinter sich zurück, und schritt an dem hölzern - verglasten Eingang des Bücherladens vorbei zu einer kleineren Tür, die nach ihrem Aufschließen den Anblick auf ein Treppengeschoss freigab, eine Tür im ersten und eine Tür im zweiten Stock. Letztere gehörte ihm. Eine sehr sparsame zwei - Zimmer Wohnung direkt unter dem Dach, offensichtlich etwas älter, thematisch weiterhin in Holz gehalten, also ein wenig tradionell, irgendwie, jedoch mit offensichtlich moderneren Renovierungsmaßnahmen an den Fenstern. Vor dem Eingang lag eine braune, fransige Matte und auf ihr eine ebenso braun getigerte, nicht weniger fransige Katze, sehr leicht zu übersehen. Obwohl sie offensichtlich etwas von dem Regen abbekommen hatte, ließ sich sich bei ihrem Schlummern nicht davon beirren. Auch nicht, als Shizuka sich tropfend in das Gebäude hievte ; die Türe hinter sich ließ er offen stehen, das Angebot galt noch immer. Falls Nobu nicht gedachte zu folgen, würde er nur schnell heraufsprinten und ihr den versprochenen Schirm anbieten. Falls doch, würde er ihr vielleicht ganz gerne eine Tasse Tee zum Aufwärmen an's Herz legen, ein Handtuch und ━━ weiter hatte er noch nicht gedacht. War es nicht ein bisschen merkwürdig Leute zum Duschen einzuladen ? Wahrscheinlich, wenn es sogar ihm schon aufgefallen war.

« Ich dachte, du hättest mich vergessen .. »

Mit den Fingern durch das feuchte Fell fahrend begrüßte Shizuka die eigensinnige Straßenkatze wie eine alte Bekannte. Allerdings musste er über sie steigen, um in die eigene Wohnung zu gelangen, die durchnässten Sportschuhe abstreifend, selbst dann gedachte sie nicht sich von ihrem Stammplatz zu bewegen und murrte nur etwas, dass verdächtig nach einem verschlafenen Kleinkind klang, welches noch um fünf weitere Minuten bat. Man war ihre Launenhaftigkeit gewohnt, viel wichtiger war es sich auch in der Wärme der eigenen Vier Wände zu suhlen, nicht stickig und auch nicht erdrückend heiß, da er auf ein gesundes Raumklima achtete und die Heizungen wöchentlich streikten. Aber im Vergleich zu draußen, wo das Wetter alles und jeden von den Straßen gejagt hatte, war es das reinste Wohltun. Sollte er den Schirm suchen ? Vielleicht erst ein Handtuch, er tropfte ja alles voll. Bevor er sich allerdings in irgendetwas überstürzte, streckte er flink den Kopf aus der Tür.

« Nobu ? »
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Sa Dez 16, 2017 1:11 pm



NobuHyaku
Etwas mulmig war der hochgewachsenen Japanerin schon, als sie Shizuka das Treppenhaus betreten sah und er ihr offensichtlich bedeuten wollte, dass sie ihm besser folgten sollte. Und er hatte auch recht damit, wenn sie nicht länger in der nassen Kälte, im Gewitter und sich anbahnenden Sturm stehen wollte. Sie war zwar kein Fliegengewicht und würde sie notfalls irgendwo festhalten können, aber als sie bereits einige Mülltonnen herumfliegen sah, sprang sie ihm doch rasch hinterher, bedacht darauf, nicht durch die nassen Sohlen auszurutschen. Es hatte bereits genug Unfälle gegeben.
Skeptisch und zögernd betrachtete sie das Gebäude von innen, auch wenn es nicht sonderlich viel anzusehen gab. Treppenstufen, zwei Türen, Wände, Boden und Fußmatten. Es war geräumiger, als sie gedacht hatte und zugleich enger, als sie sich damit wohlfühlte. Sie selber besaß eine kleine Wohnung im Erdgeschoss und allein der Eingangsbereich sah schon einladender aus, als hier. Womöglich hatte das Unwetter draußen und die noch offen stehende Tür, die den kalten Wind hineinwehen ließ, Schuld an dieser Atmosphäre. Außerdem war diese Situation so ungewohnt, die Umgebung fremd und vor allem der junge Mann mit den fuchsroten Haaren niemand, den sie jemals zuvor gesehen hatte – glaubte sie zumindest. Vermutlich hielten sich die beiden an grundlegend unterschiedlichen Orten auf, er schien schließlich älter als ein Oberschüler und jünger für einen Lehrer. Einen sonderlich sportlichen Eindruck machte er ebenfalls nicht, als dass sie sich vielleicht mal in einem Fitnessstudio gesehen haben könnte. Nobu meinte, dass sie sich an solch einen roten Schopf mit Sicherheit erinnern würde, hätte sie ihn einst gesehen.
Nach einigem Zögern zog sie die Tür hinter sich ins Schloss und blickte dann hinauf, schritt hinauf in den ersten Stock und sah noch ein Stockwerk höher zu Shizuka, der mittlerweile in seiner Wohnung verschwunden sein musste. Die auf der Fußmatte liegende Katze entdeckte sie nun auch und wenn sie wach gewesen wäre, hätte Nobu vermutlich ein paar anlockende Geräusche gemacht und das Tier gerne gestreichelt. So unterließ sie möglicherweise peinliche Geräusche lieber und richtete ihren Blick auf Shizukas auftauchenden Kopf.

Vor dessen Wohnungstür hatte sie sich ihrer nassen Sportschuhe entledigt und war vorsichtig über die schläfrige Katze gestiegen. Der Versuch, der Katze keine kurze Dusche zu verpassen, war wegen ihrer durchnässten Kleidung misslungen, schien dem Fellknäuel jedoch wenig auszumachen. Sie gab keinen guten Wächter ab.
Kurz hinter der Tür blieb sie stehen und streifte sich Shizukas schwarze Jacke ab, hielt sie in ihren nassen und kalten Händen und streckte sie dem jungen Mann entgegen. „Hier“, meinte sie.
Die wohlige Wärme umschloss sie sofort und ein ebenso wohliger Schauer durchzog sie, verursachte ein Kribbeln auf ihrer Haut und brachte sie zu einem kurzen Schütteln. Sie war sich unsicher, ob sie noch länger hier bleiben sollte oder ob sie gleich wieder nach Hause lief. War es nicht seltsam, dass sie sich nun schon in der Wohnung eines fremden Mannes befand? Und das auch noch freiwillig? Es machte sie sichtlich nervös, so dass sie auf ihrer Unterlippe herumkaute und mit den Füßen auf der Stelle leicht nach vorne und wieder zurück wippte.


Zuletzt von Nobu Hyaku am Di Dez 19, 2017 3:08 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am So Dez 17, 2017 1:24 am

S
ehr schön, er müsste sich also keine Sorgen um ihr Wohlergehen machen, man streiche das, bei dem Unwetter hätte er sogar um ihr Leben gefürchtet. Für einen der älteren Stadtteile war es hier nicht unbedingt immer sicher, nicht selten war schon der eine oder andere Telefonmast im Sturm umgeknickt, hatte ein Vorgarten ruiniert, ein Fahrrad oder einen Kleinwagen. Ganz zu schweigen davon, was passieren könnte, wenn er einen Menschen unter sich begraben würde. Doch sie war ihm tatsächlich gefolgt, wie er mit einer mild zufriedenen Miene feststellte, ehe er genügend Platz schaffte, dass auch Nobu sich in seinen Vier Wänden ausbreiten konnte. Dabei konnte selbst er, dem sonst so vieles an seinen Mitmenschen entging, ausmachen, dass es mit dem Wohlsein noch ein gutes Stück haperte. Verständlich, das hier war eine ungewohnte Situation nach der anderen, nur gut, dass er sich längst daran gewöhnt hatte, dass der Großteil aller, die ihm einmal über den Weg liefen, seine Gesellschaft nicht unbedingt genießen zu schien. So hätte er auch über eine verzogene Miene hinwegsehen, als er seine Jacke wieder an sich nahm und im Hintergedanken den Holzboden betrauerte, der eine gute Weile brauchen würde, bis er wieder vollständig getrocknet war. Dabei fiel ihm ein, er hatte letztes Jahr dieses eine wundervoll qualitative Badetuch von seinen Schwestern geschenkt bekommen, noch unbenutzt, trug es sogar noch den rosigen Duft des Ladens mit sich. Und für sich sollte er wohl auch eines besorgen. Wärme hin oder her, es war kein angenehmes Gefühl patschnass dazustehen, also hängte er das dunkle Stück Stoff rasch über einen Stuhl, wo Küche und Wohnzimmer einen Raum bildeten, und deutete seinem Gast an sie möge einen Moment Geduld haben.

« Warte kurz. »

So bat er sie auch sanft die Türe hinter sich zu schließen, denn die Katzendame hatte sich wohl endlich besinnt und war schnellen Schrittes in die Wohnung gehuscht, um sich in einer Ecke erst einmal das dichte Fell trocken zu bügeln. An der neuen Präsenz hing sie sich zunächst nicht auf. Sie würde schon noch kommen, wenn sie die lust dazu bekäme. Shizuka war inzwischen ein paar Schritte weiter in seinem Badezimmer verschwunden und ließ Nobu einige Momente Zeit sich einzugewöhnen. Die Wohnung an sich war nicht unbedingt aussagekräftig, nicht sonderlich dekoriert und es gab nicht einmal einen Fernseher. Sauber war sie allerdings, denn man nutzte jede gute Gelegenheit zum Aufräumen, dass sich zumindest kein Staub anzusammeln wagte. Und eines dürfte vermutlich auffällig sein, eine Menge Pflanzen, auf den Fensterbrettern, dem Boden, hier und dort und überall. Es war das einzige, das diesen Ort so wirklich persönlich machte. Und die Anwesenheit des Fuchses selbst, natürlich, als er zurückkam mit einem samtig wirkenden Berg an Handtuch, den er der jungen Frau erwartungsvoll entgegen hielt. Er hatte sich offensichtlich umgezogen, in einem simples grau meliertes Shirt und tiefrote Schlafanzughosen, die sich wie ein Großteil seiner Mode eng an den Körper schmiegten, ganz gleich ob das nie jemals Eindruck bei jemandem geschunden hatte. Die Füße nackt, auf seiner Nase allerdings saß sie endlich, eine schwarz gerahmte Brille, leicht beschlagen von der Feuchtigkeit, die der Handtuch über seinem roten Schopf abgab. Doch man konnte an seinem interessierten Ausdruck feststellen, dass er Nobu zum ersten Mal in voller Auflösung betrachtete. Nicht wertend, nicht gaffend, einfach nur die Eindrücke verarbeitend, die er bisher verpasst hatt. Mit einem hatte er zumindest goldrichtig gelegen, sie hatte eindeutig die gleichen intensiven Augen, wie Minako.

« Ich kann dir auch etwas trockenes zum anziehen geben, wenn du möchtest .. », hatte er zu dem Angebot des Handtuches noch ganz zaghaft hinzugefügt, denn plötzlich, so in Zweisamkeit, konnten Grenzen schließlich ganz schnell übertreten werden. Allerdings konnte er sich wohl auch kaum einfach in den Regen zurückschicken, da würde auch kein Schirm mehr helfen, nicht einmal Gott vermutlich. Und wenn sie wirklich noch einige Zeit hier festsaß, dann konnte er sich vorstellen wären die feuchten Trainingsklamotten mehr als unangenehm. Aber es war am Ende immer ihre Wahl und er würde sich nicht mehr einmischen, als nötig.


Zuletzt von Shizuka Nishino am Do Dez 21, 2017 1:02 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Mo Dez 18, 2017 7:23 pm



NobuHyaku
Sich nach wie vor unwohl in dieser ungewohnten Umgebung fühlend, tat die junge Frau wie ihr befohlen, schloss die Haustür hinter sich und wartete. Mehr ungeduldig denn geduldig, aber es blieb ihr nichts anderes übrig, als hier zu verweilen und sich in der Wohnung von Shizuka umzusehen. Alles andere wäre unangemessen gewesen und hätte dieses Unwohlsein, das sie als ein Kribbeln in ihrer Brust und einer Anspannung in ihrem gesamten Leib verspürte, nur noch verstärkt. Das Zittern, das langsam einsetzte, war wohl der Nässe geschuldet. Auch wenn es in der Wohnung warm war, fröstelte sie in der nassen Kleidung und fühlte sich wie nackt, wenn die einst lockere Kleidung nun enger saß als eigentlich gewollt. Sie war in dem Moment nicht sicher, ob sie froh darüber sein konnte, in guter Form zu sein oder ob sie sich gerade nicht sogar dafür schämte. So verschränkte Nobu die Arme vor der Brust, hob die Schultern etwas an und sah auf ihre Füße mit den feuchten Socken, die, wenn sie hinter sich sah, feuchte Abdrücke auf dem Holzboden hinterlassen hatten.
Sie war überrascht über den Einrichtungsstil des Rotschopfes, der ihr auf der Straße ganz in schwarz gekleidet begegnet war und nicht den Anschein erweckte, einen grünen Daumen zu besitzen oder sich überhaupt um etwas zu kümmern. Natürlich sah er nicht verwahrlost aus und auch nicht ungepflegt, jedoch nicht wie jemand, bei dem man so gut wie ein Staubkorn, dafür aber Unmengen an Grünzeug finden konnte. Vielleicht fühlte sie sich doch nicht so unwohl, wie es ihre Körperhaltung aussagte. Das Grünzeug war ihr sympathisch – wenn man das denn so nennen konnte – und verlieh dem Raum etwas lebendiges, während es dekorativ ihrer Ansicht nach bedürftig wirkte.

Als sich Schritte näherten, sah sie wieder auf und blickte in ein Samthandtuch. Nichts, das sie nun erwartet hätte und doch überraschte es sie nicht, auch nicht der Geruch, der ihr sofort in die Nase kroch, als sie danach griff und sich bei dem jungen Mann dafür bedankte.
Statt sich jedoch abzutrocknen, sah sie ihn noch eine Weile an und musterte Shizuka, als wäre sie diejenige gewesen, die zuvor nichts sehen konnte. Warum machte sie sich eigentlich so viele Gedanken über ihre eigene Figur? Vor ihr stand ein schlanker, weitestgehend untrainierte Mann in enganliegender Kleidung und sie machte sich bei ihrem nassen Anblick Sorgen darüber, dass man sie für unattraktiv oder zu attraktiv halten konnte. Machte sich Shizuka denn keine Gedanken darüber, dass man bei seiner Kleidung zu viel sehen konnte? Kurz bevor ihr Erröten sichtbar werden konnte, drückte Nobu ihr Gesicht in das weiche Handtuch, um dann doch wieder aufzusehen.
„Eh.“, begann sie stockend. „Und dann?“, wollte sie wissen. Ihre Frage war ernst gemeint, sie war sichtlich unsicher. Für gewöhnlich fiel es ihr nicht sonderlich schwer, Gespräche zu führen, doch Shizuka war ein harter Brocken und sie wusste wirklich nicht, ob es eine gute Idee war, so lange hier zu bleiben, bis der Sturm sich wieder legte, während ungewiss war, wie lange dieser dauerte. Doch was blieb ihr anderes übrig? „Ich glaube, ich habe keine Wahl.“, murmelte sie und lachte nervös auf.
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Di Dez 26, 2017 2:32 am

I
n der Retroperspektive sollte sich herausstellen, dass er in diesem Moment womöglich nicht das Ausmaß an Beschämung empfand, die durchaus angemessen für das Szenario wäre, welches sich gerade in seinem Wohnzimmer abspielte. Obgleich er sich nichts schuldig wurde, das Scham gefordert hätte ; denn er war gut erzogen, zu gut, sah einer Frau stets in's Gesicht, ganz gleich wie attraktiv und wie reizvoll die Kurven sich unter dem feuchten Stoff präsentierten. Nicht, dass er prinzipiell keine körperliche Anziehung verspürte, es war mehr der Respekt vor ihr, der ihn ermahnte sich nicht so weit herabzulassen, denn das letzte, was Nobu in dieser unerfreulichen Schicksalswendung brauchte war jemand, der sie begaffte. Und um ehrlich zu sein reichte dem Fuchs der Gedanke allein, dass er eine Dame in seiner kargen Wohnung empfing, um eine leichte Wärme den Nacken über bis zu den Wangen zu vernehmen. Während sie das Handtuch als ihr Schutzschild ausnutzte, schweifte er einfach mit seinem Blick zur Seite, die Hand an dem rötlichen Haaransatz, als könnten ihm dort seine kühlen Finger etwas Linderung verschaffen. Und dann. Eine gute Frage. Alles war so überstürzt geschehen, dass Shizuka bisher nicht wirklich die Zeit gehabt hatte sich einen Kopf darum zu machen, was für ein Ende dieses seltsame Treffen letztlich nehmen sollte. Entweder würden sie als Fremde auseinandergehen, oder als neue Bekannte. Die zweite Option würde jedoch tatsächlich ein wenig mehr Eigeninitiative von ihm fordern. Einfach rumstehen, starren und halb gegessene Vorschläge in den Raum werfen war einfach nicht drin. Aber was hatte er ihr schon großartig anderes zu bieten ? Kein Fernseher, kein Internetzugang, keine seltene Sammlung persönlicher Wertgegenstände ; nur Bücher, eine Menge Pflanzen und eine sehr kapriziöse Katzendame, die durchaus in der Lage dazu war ihm auf den Schreibtischstuhl zu pinkeln, falls sie ihrer Meinung nach nicht genug Aufmerksamkeit zugeteilt bekam. Natürlich auch er selbst, als Person, jedoch war sein Privatleben zugleich sein Akademiker - und Berufsleben, weshalb es fraglich war wie sehr sie sich für dafür interessieren lassen konnte.

« .. ich kann Tee machen ? », lautete das Angebot also, etwas kleinlaut, als er ihren Blick wieder mit dem eigenen einzufangen vermochte und er quittierte ihre Nervosität mit der Nuance eines aufmunternden Lächelns, ehe die Hand aus seinem Nacken glitt und seine Brille am Rahmen etwas den Nasenrücken hinaufschob. Sicherlich würde Tee nicht auf magische Weise für ein lockeres Ambiente sorgen, aber vielleicht könnte man das mit dem Reden ja noch einmal probieren ; war zumindest vernünftiger, als in den Sturm hinauszugehen, dessen prallen Regentropfen in der Stille geräuschvoll gegen die Fenster trommelten. Nobu schien das bereits eingesehen zu haben, somit benickte er ihre Entscheidung nur knapp, ehe er mit einer demonstrativen Handgeste in Richtung der Holztür zeigte, in welcher er als erstes verschwunden war.

« Dort ist das Bad. »

Nur, falls es nicht offensichtlich genug war. Nicht, dass sie sich hätte verlaufen können, es gab nur noch eine weitere Tür, die in sein Schlafzimmer führte. Allerdings, bei aller Gastfreundlichkeit, würde er es bevorzugen seine Privatsphäre dort für sich zu behalten. Schließlich war er schon verlegen genug und irgendwo mussten ja Grenzen gezogen werden. So ließ er verlauten, dass sie sich umsehen könne, während er etwas trockenes zum überwerfen suchte. Auch ließ er sie wissen, dass sie sich ruhig an den Hygieneartikel bedienen konnte, die sie dort vorfinden sollte, ehe er sich zu seinem Kleiderschrank aufmachte. Sein Shampoo und Duschgel waren im Grunde ganz neutral, seifig eben und günstig ; er fühlte sich Mann genug in seiner Haut, dass er das nicht auch noch auf den Produkten stehen haben musste.
Es dauerte nicht lange, wohl weil er nicht gerade viel Auswahl besaß, da war er schon zurück und klopfte vorsichtshalber gegen den Rahmen der Badezimmertür, bevor er nach einer Anstandspause ohne den Blick zu heben die reichlich monotone Kombination zweier Kleidungsstücke für sie parat hielt. Ein Paar schwarzer markenloser Jogginghosen, die unten eng zuliefen und deren Beine sie sicherlich ein wenig krempeln müsste ; und eines seiner liebsten Oberteile, ein Shirt der englischen Punkband Sex Pistols, und weil es selbst ihm über die Jahre ein wenig zu angepasst geworden war, würde Nobu zumindest nicht in einem Stoffsack herumlaufen müssen. Er hätte nichts anderes, gestand er ganz leise, schon wieder halb aus der Tür, denn er wollte sie in dem kleinen Raum wirklich nicht bedrängen. Ehe man sich dann aber planmäßig dem Tee widmete, den er zuvor ja angepriesen hatte, gab es noch einen letzten Rat auf den Weg.

« Manchmal spinnt der Boiler ein bisschen, dann fällt das warme Wasser kurz aus .. du musst .. einfach kurz zudrehen, und wieder auf, dann geht's. » Das durfte sicherlich nicht sehr einladend geklungen haben, zumindest war die Frau nun aber auf das Schlimmste vorbereitet. So überließ er sie ihrem Schicksal, oder vielleicht einer angenehm wärmenden Dusche ; man konnte nie wissen. Immerhin war nun Minako neugierig geworden, das Fell trocken, maunzte sie vorwurfsvoll nach dem Fuchs, der ihr in der Küche den Rücken zugewandt hatte. Sie räkelte sich, bis es ihr zu blöde wurde und biss dann in die nackt gebotene Ferse, dass Shizuka beinahe den Wasserkocher fallen gelassen hätte. Aus allen Frauen in seinem Leben war sie mit Abstand die anstrengendste.

« Sei' nicht so zickig, ich stelle dich gleich vor .. »
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

Beitrag von Gast am Mi Dez 27, 2017 12:01 pm

no

NobuHyaku
Sie atmete etwas erleichtert auf, als er Tee anbot und sich offenbar nicht davon verunsichern ließ, dass ungewiss war, wie sich der weitere Verlauf ereignen sollte. Anders erging es der Türkishaarigen. Nobu konnte sich eine gute Scheibe davon abschneiden und sollte selber weniger denken und mehr tun beziehungsweise in der Gegenwart leben, einen Schritt nach dem anderen gehen und sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, was als nächstes, übernächstes und überübernächstes passieren könnte oder sollte. Eigentlich hätte es ihr leicht fallen müssen, denn wenn es um Diskussionen ging, verschwendete sie keine Sekunde daran, nachzudenken, sondern folgte einfach ihren Impulsen. Sie musste offensichtlich umdenken – in manchen Situationen war es besser, einmal mehr nachzudenken und in anderen Situationen war es besser, wenn man nicht zu viel nachdachte. Ein Gleichgewicht, das sie noch nicht wusste, herzustellen.
„Tee klingt gut.“, meinte sie mit einem vorsichtigen Lächeln auf den Lippen und folgte der Geste zur hölzernen Tür, hinter der sich das Bad befinden sollte. Sie nickte lediglich und verschwand schließlich im Bad.

Der Blick der jungen Frau fixierte als erstes die Hygieneartikel, der sie sich bedienen durfte und wenn sie ehrlich war, dann hatte sie etwas anderes erwartet. Zwar günstig, aber durchaus mit der Auskunft, dass die verschiedenen Produkte jeweils für Männer bestimmt waren. Eine Tatsache, die Shizuka in diesem Moment sympathischer machte und sie zudem erleichterte, nicht nach einer Dusche den Duft eben solcher Produkte annehmen zu müssen. Ihr eigener Geruch war wohl eher blumig, denn anders als der junge Herr dieses Hauses, griff sie sehr wohl nach Produkten, die für Frauen bestimmt waren, auch wenn nicht zwangsläufig für Frauen drauf stand. Ihr war es zu müßig, sich die einzelnen Produkte anzusehen und zu vergleichen, so dass sie nach dem griff, das sie aus ihrer Kindheit kannte und ihre Mutter verwendet hatte.
Nachdem sie noch das Mobiliar begutachtet und für ausreichend sowie sauber befunden hatte, legte sie das Handtuch ab und entledigte sich als erstes ihrer nassen Hosen, die beim Ausziehen eine kleine Pfütze auf dem Boden hinterließ – ungewiss, wohin mit dem nassen Stoff, legte sie diesen etwas unordentlich zusammen und so auf den Boden. Gerade als sie sich wieder aufrichtete, klopfte es. Noch in Oberteil und Unterwäsche bekleidet, steckte sie den Kopf durch die Tür und sah auf dunkle Kleidung, die sie so niemals tragen würde. Heute war wohl der Zeitpunkt gekommen.
„Hauptsache etwas trockenes“, meinte sie. „Danke“, schob sie nach und nahm die Kleidung an sich, bedacht darauf, sie nicht gegen das nasse Oberteil zu drücken, um den Körper hinter dem neuen Stoff zu verbergen - eine ungünstige Angewohnheit.

Nachdem Nobu auch den Rest der Kleidung abgelegt und zu Boden geworfen hatte, stand sie also nackt in der Dusche und fühlte sich furchtbar entblößt. Nicht nur wegen der abgelegten Kleidung, sondern weil sie sich schutzlos ausgeliefert fühlte, in dieser fremden Wohnung, bei diesem fremden Mann, der alles mögliche sein und tun konnte. Verlass auf ihre eigenen Fähigkeiten besaß sie in diesem Moment überhaupt nicht. So beeilte sich die Langhaarige, erfuhr nur einmal einen eiskalten Strahl, der ihr ein leises „Hnn!“ entlockt hatte und hüllte sich rasch in ihr weiches Handtuch ein, um zu horchen, ob er vor der Tür stand und womöglich lauschte oder gar durch einen Türschlitz schielte.
Fast eine ganze Minuten verharrte sie in dieser Starre, ehe sie sich gänzlich abtrocknete und noch einmal zu ihren nassen Kleidern griff. Mittlerweile war die Unterwäsche durch den Rest der Kleidung ebenfalls nass geworden und sie wusste nur zu gut, wie unangenehm es war, nasse und kalte Unterwäsche unter trockenem Stoff zu tragen. Unangenehmer, als wenn sie keine trug. Alle Hoffnung darauf legend, dass das Oberteil nicht zu eng saß, schlüpfte sie in die dunkle Kleidung. Die Hose war etwas lang, so dass sie die Hosenbeine krempelte, um nicht drauf zu treten. Sie war insgesamt enger, als sie erwartet hatte, aber nicht unangenehm eng, als dass sie sich unwohl damit fühlte. Das T-Shirt hingegen fiel lockerer über ihren Körper.
Sie hüllte die nasse Kleidung in das nasse Oberteil und verknotete die Ärmel, um damit aus der Tür zu treten. Sie warf sowohl kurz einen Blick nach links als auch nach rechts und besuchte Shizuka dann in der Küche. Beinahe schüchtern sah sie ihn an und hob die nasse Schleuder leicht an. „Kann ich die Kleidung über eine Heizung legen?“
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Re: Run for your life with me # Straßen # 02.03. # Shizuka & Nobu

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